|
JULI

Der Sommer geht weiter! Juli verkündeten pünktlich zum Herbstanfang "Es ist Juli" und wer würde das
noch bezweifeln? Nachdem uns Virginia Jetzt! bereits in Sommerlaune gebracht haben, übernahm die junge Band aus Gießen den Staffelstab und machte dabei mehr als eine gute Figur. Sehnsüchtig leichte Popsongs, die auch mal eine krachige Gitarre zulassen und im besten Sinne an die Creme de la Creme der frisch ins Gespräch gekommenen d eutschsprachigen Bands von "Wir sind Helden" bis
"2Raumwohnung" erinnern. Doch keine vorschnellen Schlüsse ziehen: Juli beziehen sich eher und lieber auf Bands wie Selig, die schon ein paar Jahre früher für cleverere deutsche Popmusik mit straightem Gitarrensound einstanden.
Die Band Juli schreibt seit ihrer Teennager-Zeit Texte, in denen sie mal reflektierend, mal verzweifelt versucht, ihr aufregendes Gefühlsleben in adäquate Songs umzusetzen. Diese Gedanken in Lieder zu
packen, verbindet seit Ende der 90er Jahre die vier männlichen Mitstreiter Andreas Herde (Bass), Jonas Pfetzing (Gitarre), Simon Triebel (Gitarre) und Marcel Römer (Schlagzeug), alle zwischen 21 und 23 Jahren jung, mit Sängerin Eva Briegel. Zunächst legten die Gießener unter dem Bandnamen Sunnyglade mit englischen Texten los, gut genug, um jede Menge Trophäen einzusacken, u. a. den "Hessischen
Rockpreis" 2000 des DRMV oder die 2. Position beim "Deutschen Pop-Preis" des DRMV. "Trotzdem waren wir mit unseren englischen Texten nie so recht zufrieden", gibt Frontfrau Eva unumwunden zu. 2Noch vor ein paar Jahren fanden wir es uncool, Deutsch zu singen. Deutsche Pop-Musik, das wurde mit Schlager gleichgesetzt und damit hatten und haben wir nichts zu tun. Aber Bands wie Selig haben uns
gezeigt, dass man durchaus auch mit deutschsprachigen Liedern anspruchsvoll sein kann. Also haben wir diesen Weg gewählt."
So wurde aus "Sunnnyglade" anno 2001 dann "Juli". Die Mitglieder blieben die gleichen, die musikalische Ausrichtung allerdings war eine andere: "Man verändert sich und seine Persönlichkeit ständig und dadurch bedingt auch seine Arbeit", sagt Eva Briegel. "Wenn man anfängt Musik zu machen
haut man natürlich so fest rein, wie es geht. Aber mit der Zeit haben wir unsere Scheu vor ehrlicher Popmusik verloren. Und was unsere Texte angeht, da wir logischerweise wesentlich besser Deutsch als Englisch beherrschen, können wir uns in der Heimatsprache besser ausdrücken. Da uns die Texte sehr wichtig sind, singe ich Deutsch. Ich will, dass bei uns nicht nur musikalisch Emotionen rüberkommen."
Wenn man sich jetzt das Ergebnis dieser Metamorphose der einst englischsprachigen Rock-Band "Sunnyglade" hin zur deutsch singenden Popcombo Juli, das Debütalbum zu Gemüte führt, machen sich einige musikalische Assoziationen breit: Wir sind Helden, Rosenstolz, 2Raumwohnung. Nur greifen all diese Vergleiche nicht, weil man es bei Juli schon bei der ersten CD mit einer Band zu tun hat, die über
ureigenes Potenzial verfügt, jenseits irgendwelcher Schemata. Sensibel kommt diese Gruppe daher, manches mal zerbrechlich. Dann klingt das Quintett wieder trotzig, laut, heftig. Intelligent ist es sowieso, auch leidenschaftlich, subjektiv, überraschend, lyrisch, traurig und garantiert immer emotional und spannend. Sprich: Juli verfügt über all das Potenzial, das eine moderne, aufregende Pop-Band
ausmacht. Und was anderes soll man tun als eine Band zu lieben, wenn ihre Sängerin einen Satz wie diesen formuliert: "Wir haben keine Angst vor Klischees, solange sie echt sind."
Wer mit der Vorabsingle "Perfekte Welle" die Spätsommernächte genossen hat, wird sich bei den Konzerten von Juli pudelwohl füllen und jede Menge weitere (neue) Lieblingsongs entdecken. In Juli's
Songs steckt soviel Ohrwurmpotential drin, dass es auch in den Wintermonaten, von Oktober bis März allerorten heissen wird: "Es ist Juli".
|